Freitag, 20. April 2018

Bunte Vielfalt auf öffentlichen Grünflächen

Bunte Vielfalt auf öffentlichen Grünflächen

 

LEADER-Projekt „Blühender Landkreis Haßberge“ gestartet

 

HASSBERGKREIS. Erst kürzlich wurde eine Langzeitstudie in den Medien veröffentlicht, die den starken Rückgang der Insekten und der biologischen Vielfalt in unserer Landschaft aufzeigt. Zukünftig wird es deshalb immer wichtiger, vor allem auch ungenutzte Flächen in Blühflächen umzuwandeln, um damit Nahrungsquellen und Lebensraum für Bienen und weitere Insekten zu schaffen. 21 Kommunen im Landkreis Haßberge möchten dies im Jahr 2018 in einem LEADER-Projekt mit dem Titel „Blühender Landkreis Haßberge“ auf öffentlichen Flächen umsetzen. Am Mittwoch, 25. Oktober, fand hierzu die Einführungsveranstaltung im Gemeindezentrum in Breitbrunn statt. Neben den beteiligten Gemeinden und Städten nahmen viele Vorsitzende der ortsansässigen Imker- und Gartenbauvereine an der Veranstaltung teil, um sich über die verschiedenen Möglichkeiten der Anlage von blühenden Wiesen, Randstreifen und Verkehrsinseln zu informieren. Bürgermeisterin Gertrud Bühl, Gemeinde Breitbrunn, welche die Projektträgerschaft übernommen hat, begrüßte die Teilnehmer und wies auf die Wichtigkeit und den Nutzen der ökologischen Aufwertung öffentlicher Grünflächen hin. Der Ablauf des Projektes wurde in einem Arbeitskreis aus Vertretern der Gemeinden, Kreisverband der Imker, Kreisverband für Gartenbau und Landespflege, Bauernverband, Bund Naturschutz, Untere Naturschutzbehörde und des Regionalmanagements entwickelt. Weiterhin weist sie darauf hin, dass das Projekt zu 60 Prozent aus LEADER-Fördermitteln finanziert wird. Anschließend ging Kreisfachberater Johannes Bayer auf die vorgesehenen Maßnahmen ein. Im Jahr 2017 sollen drei bis fünf Flächen je Kommune ausgewählt und die durchzuführenden Maßnahmen über den Winter hinweg geplant werden. Die Umsetzung soll dann mithilfe von drei Praxis-Workshops in insgesamt vier Pilotgemeinden ab Frühjahr 2018 erfolgen. „Den Gemeindearbeitern und Teilnehmern aus den Vereinen wird in den Workshops das Know-How vermittelt, um anschließend selbstständig weitere Blühflächen anzulegen. Diese sind, bei richtiger Anlage, nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch optisch ansprechend und pflegeleicht.“ Für die Planung von Nistmöglichkeiten auf den Flächen wird Dr. Klaus Mandery vom Institut für Biodiversitätsinformation e.V. in Ebern zuständig sein. Klaus Mandery wies auf die wichtige Funktion der Wildbienen in unserer Gesellschaft hin und stellte deren Lebensraum und Nahrungsquellen vor. Während seines Vortrages konnte man erfahren, dass es insgesamt 564 nachgewiesene Wildbienenarten in Deutschland gibt, die enorm wichtig für die Bestäubung von Blühpflanzen sind. Einige seltene Arten kommen auch in unserem Landkreis vor. „Manche Wildbienen sind nur auf eine Pflanzen- oder Bodenart spezialisiert. Durch gezielte Anlage von Nistmöglichkeiten, kann man hier einen Beitrag zum Artenschutz leisten“, so Mandery. Bernhard Reiser vom Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie aus Zeil a. M., stellte positive Beispiele von blühenden Flächen dar, um den Teilnehmern Anregungen für die Auswahl der Flächen in der eigenen Gemeinde mitzugeben. Zusammen mit dem Biologen Otto Elsner und dem Landschaftsplaner Christian Sandner soll er die Planung für die Umsetzung der nachhaltigen Blühflächen übernehmen. „Ziel des Projektes ist es, den Insekten anhand der Auswahl geeigneter Pflanzenarten Nahrungsquellen zur Verfügung zu stellen, vor allem auch in den kritischen Zeiten im Jahr von Juni bis Oktober, in denen nur noch wenig Nahrung in unserer Natur vorhanden ist. Durch Ansaaten mit standortgerechten Pflanzen, Schaffung der richtigen Bodenverhältnisse und Initialpflanzungen will man öffentliche Grünflächen in nachhaltige öffentliche „Bunt-Flächen umwandeln“.

Bild: Biene bei der Pollenaufnahme an einer Blüte. Foto: B. Reiser